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 Das Meer

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Spieler : Das MA-Team

BeitragThema: Das Meer   Mi 21 Okt 2015 - 19:44

Der Ozean, ebenso wie Cadysa voller Mythen und ungelüfteter Geheimnisse. Das Wetter spielt hier draußen verrückt, es gibt keinen Verlass auf Vorhersagen. Man sagt, die Schiffe die hier am Hafen anlegen würden von Wahnsinnigen gesegelt, denn nur diese wären lebensmüde genug sich in die stürmischen Gewässer vor die Küste der übernatürlichen Stadt zu wagen.
Sowohl über als auch unter Wasser kann das schlimmste Schicksal einem einen Streich spielen, doch manchmal kommt auch die Sonne durch und an solchen Tagen kann man sich nichts schöneres vorstellen, als mit einem Ruderboot hinaus zu rudern und den sanften Wellengang zu genießen.
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Dahy

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BeitragThema: Re: Das Meer   Do 10 Aug 2017 - 20:20

(20.Mai. 11am - first post)

Das Meer war Dahy immer eine Reise wert. Mochte der Weg dorthin noch so verschlungen und holprig sein, nie war die Elfe von dem Element, das für sie wohl dem Gefühl einer Mutter am nächsten kam enttäuscht worden. Doch das lag zweifelsfrei in den nicht vorhandenen Erwartungen Dahy’s begründet statt in der vermeintlichen Wäre des Ozeans.
Auch Heute war das Wetter rau und die Luft so salzig, das sie schon nach wenigen Minuten die Dahy am Dünenkamm stand auf der Haut juckte.  Strenger Ostwind kämmte und zerzauste die dichten Sandgräser deren harte Blätter Dahy’s Schienbeine mit Papierschnitten schmückten. Die Gattung Cupidus war ohne Zweifel eine der besten Flieger unter den Elfen und Dahy hatte so machen Tropensturm unter und über Wasser erlebt, dass sie ein durchschnittliches Unwetter nicht fürchtete. Doch gerade als Meisterin der Lüfte kannte sie ihre Grenzen und wusste wann es Spaß machte mit den Winden zu spielen, wann es riskant und wann es völlig wahnsinnig war. Heute war ein Tag der letzten Kategorie.
Ihre Libellenflügel trug sie dennoch auf halber Höhe hinter ihrem Rücken und genoss die starken Böen die sie aus ihrem Gleichgewicht zu werfen versuchten. So hüpfte und taumelte sie mehr als das sie ging Richtung Brandung. Bald war ein Jahr vergangen, seit sie nass, einem Häufchen Elend gleich aus dem weiten Ozean an dieses Ufer gekrochen war. Die große Mutter hatte ihre Gebete erhört, wie sie feststellte als sie durch das Portal nach Cadysa kam. Doch statt trocken und sicher in einem Schiff in den Hafen einzulaufen, war sie nach über Zehn Tagen auf hoher See, halbertrunken an Land gespült worden. „Saragossas Küsse sind unvergesslich“ hieß ein alter Satz der Cupidi und bezeichnete die Unbarmherzigkeit des Meeres, das trotzdem überlebensnotwendig für sie war.  Dahy teilte die ambivalenten Gefühle ihrer Artgenossen.
Mit verträumten Blick saß sie bis zum Bauch in den Wellen und ließ sich vom Wasser hin und her schaukeln. Die pechschwarzen, pupillenlosen Augen hatte sie auf den Horizont gerichtet. Fast hatte sie den Grund für ihre heutige Flucht aus der Moon Academy schon wieder vergessen.  Schlechte Noten waren ihr so fremd gewesen wie das  weiche Federbett in ihrem Zimmer oder die dicken Mauern der Schule. Erst nach und nach hatte Dahy bemerkt das die Welt in der sie sich jetzt bewegte vollkommen anders funktionierte als ihre eigene. Und das Portal durch das sie geschlüpft war, hatte noch am allerwenigsten damit zu tun.
Diese ganzen Regeln, festen Uhrzeiten und Termine kamen Dahy manchmal wie völlig willkürliche Schikanen vor.  Zwar waren alle freundlich und viele bemühten sich um engeren Kontakt zu Dahy, doch meistens war es ihr unangenehm. Cupidi waren selten hierzulande, sodass die Menschen und Halbwesen ganz anders auf sie reagierten als in ihrer Heimat. Dahy wusste nie ob die Sympathie die ihr entgegengebracht wurde auf ehrlichem Interesse oder auf Grund von biochemischen Reaktionen die sie bei ihrem Gegenüber auslöste beruhten. Sie tippte auf Zweiteres, einfach aus dem Grund das sie kein Wesen, das immun gegen ihre arteigenen Hormone war, zu ihren Freunden oder auch nur Bekannten zählen durfte.


Unterwassergespräche führen ist wie Luftschlösser bauen. 
Gut das wir die Fische nicht hören, viel zu laut wäre das Meer. 
Das Rauschen schluckt die Gespräche, zerreibt die Gedanken zwischen den Wellen und spült sie als Korallensand an Land. 

Es baut Wüsten.
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Julande Stahljohann
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Beruf : Chiropraktiker
Spieler : Lilie

BeitragThema: Re: Das Meer   Do 31 Aug 2017 - 20:32

Endlich Wochenende! So sehr Julande seine Arbeit als Chiropraktiker liebte, aber die Wochenenden waren ihm so wichtig und heilig wie jedem anderen. Er konnte endlich mal seine Kupfersammlung neu sortieren, etwas ausschlafen, die Wohnung putzen... oder auch mal vormittags am Strand spazieren. Es war ziemlich windig, aber die Sonne schien schon seit Tagen und heute war es so warm, dass er sich Etzel um die Schultern gelegt und auf einen Spaziergang das Haus verlassen hatte. Am Strand setzte er den großen Teju im warmen Sand ab und sofort stapfte dieser an der Brandung entlang. Julande strich sich die blonden Haare mit den pinken Strähnen zurück und atmete die salzige und klare Seeluft ein. Am Meer fiel ihm das Atmen leichter, dort hustete er nicht so häufig und seine Lunge fühlte sich nicht so an, als ob sie gleich abfackeln würde. Etzel schnappte nach ein paar Krabben im Wasser und lief dann wieder an der Seite seines Herrchens. "Guter Tag heute, was, Etzelchen?", brummte Julande sanft zu seinem Haustier auf Deutsch. Man konnte nicht sagen, dass er seine Muttersprache ausgesprochen häufig sprach, aber es kam mit schöner Regelmäßigkeit vor, besonders wenn er alleine war. Die Sonne auf seiner Haut fühlte sich verflixt gut und der Dämonfeuer hustete wieder. Dieses Mal allerdings durchaus mit Absicht, er hustete das produzierte Aceton nach oben und spuckte eine beeindruckende Stichflamme in die Luft, um seinen Atmungsapparat von der Säure zu reinigen, die ihn immer zu diesem Husten brachte. Außer ihm war niemand am Strand, wen sollte also eine kleiner blonder Deutscher aus dem Schwarzwald stören, der ein bisschen Feuer spuckte?
Plötzlich hob Etzel den Kopf, züngelte wild und richtete sich weit auf. "Heh, was hast du denn? Na, willst wieder Möwen jagen, du Fresssack, was?" Obwohl er ein wenig lachen musste, kam ihm Etzels Verhalten seltsam vor, denn plötzlich platschte die riesige Eidechse in einer zackigen Geschwindigkeit an der Brandung entlang. "Hey! Bleib stehen!" Julande musste husten, als er Etzel hinterher rannte. Anstrengung war nicht gut für ihn... Und dann hielt Etzel bei einer jungen... Frau? Julande bremste und hustete sich erstmal fast die Seele aus dem Leib, während er sich auf die Oberschenkel abstützte und versuchte, nicht zu sterben. Ihm blieb einige Male die Luft weg und erst, als er verschwitzt einigermaßen zu Atem kam, sah er sich das Wesen genauer an, das gerade von seinem Etzel beschmust wurde und an dessen Beinen er sich rieb. "Äh... sorry", brachte er heiser hervor, bevor er die Eidechse auf den Arm nahm, welche sich auch sofort an ihn kuschelte. "Er ist bei Fremden sonst nicht so, sorry wenn er... dich erschreckt hat... Hast du kürzlich Lachs oder so gegessen? Er liebt Lachs" Etzel sah inzwischen so aus, als könne er kein Wässerchen trüben, während Julande sich dieses... Wesen genauer ansah. Ein Mensch war die nicht, aber auch keins wie er, kein Wessen. Flügel wie eine Libelle und Augen, schwarz und unergründlich... Eine Fee, vielleicht? Oder eine Nymphe... Julande blieb skeptisch und streichelte seinen Teju. Zumindest war mal jemand kleiner als er.





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Dahy

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BeitragThema: Re: Das Meer   Fr 1 Sep 2017 - 12:58

Die Sonne wurde kräftiger und der Tag der so düster und unwirtlich begonnen hatte mauserte sich immer mehr zu einem angenehmen Frühsommerwetter. Der Wind schien nicht nur das Sandgras zu zausen sondern trieb die dicken Wolken gen Westen über den Himmel und machte so Platz für ein klares Blau.
Dahy grub die Hände in den Sand, legte den Kopf in den Nacken und genoss die Wärme im Gesicht. Von Banalitäten wie Schulnoten sollte man sich nicht den Tag  am Meer verderben lassen fand sie und schob alle Sorgen und Frustration gedanklich weit von sich. Ein unwilliges Kopfschütteln und ein trotziger Blick auf die salzige Weite vor sich bekräftigten ihren Entschluss.
Sie hob eine nasse Hand in den Wind, abgenommen hatte er nicht, nur leicht die Richtung geändert. Die Option ein paar Meilen hinaus zu fliegen und zu jagen ging Dahy noch einmal durch den Kopf.  ‚Und wenn es nur ist um die Gischt im Gesicht und die Haare im Wind zu haben.’, dachte sie und spürte im gleichen Augenblick das sie Heimweh hatte. Erinnerungen tauchten auf, der Tangwald ihres Larvenstadiums, lange sternklare Nächte und der ewige immer gleichbleibende Rhythmus der Saragossasee. Zuhause. Hier in Cadysa gingen die Uhren anders, jeder hatte nur Zeit für sich und die Regeln denen sich die Gesellschaft beugte empfand Dahy immer mehr als erdrückend. 
Ihre, für menschliche Proportionen, etwas zu langen Finger strichen über das Wasser mit gerade so viel Druck das die Oberflächenspannung zu spüren war. Dahy tauchte sie unter und führte sie langsam zusammen bis sich die Spitzen ihrer kleinen Finger berührten. In dieser Handstellung hob sie die nassen Hände und legte sie über die Augen. Bedächtig zog sie die Hände über Wangen und ihren Unterkiefer ab.
Schon fing das Salz im Wind auf ihrer Haut auszukörnen und zu kitzeln, wie als Erwiderung ihres Abschiedsrituals.
Vorsichtig watete sie an Land, Hose und Shirt klebten nass an ihrem Körper. ‚Ich hätte mich wohl umziehen sollen’, stellte Dahy mit einem Blick an sich hinunter fest. Sie zuckte die Schultern und wollte sich gerade das Shirt über den Kopf streifen als eine riesige Echse mit gebänderten Leib über den Sand auf sie zu flitzte und ihre stumpfe Nase an ihrem Knöchel rieb.  Dahy quietschte leise auf als das Tier mit seiner Zunge das Salz von ihrem Schienbein leckte. Dank ihrem ausgiebigen Frühstück Heute erfolgte keine Speichelproduktion und die damit verbundene Hormonausschüttung. Stattdessen strich sie dem Tier einmal ruhig über den Rücken und sah sich dann um. Abgesehen von den Wasserdrachen auf den Galapagosinseln kannte sie kein Reptil das an der Küste heimisch ist.  Ihre Schlussfolgerung war richtig, denn aus der gleichen Richtung kam ein junger Mann mit hellem Haar und schnellem Schritt auf sie zu. Dahy lächelte ihm entgegen und gab die ausgesprochene Entschuldigung gleich retour: „Nein Bitte. Es ist meine Schuld, entschuldige.“, sie lächelte hilflos.
Das Reptil thronte nun sehr zufrieden auf dem Arm seines Besitzers, ganz so als hätte es gerade einen großen Happen gegessen. Sie schienen ein eingespieltes Team zu sein, denn die Krallen des Tieres ließen keinen Zweifel, dass selbst eine unabsichtliche Bewegung tiefe Fleischwunden reißen könnte.
Dahy lachte über die Frage: „Nein, ich muss keinen Lachs essen, er wird mich immer mögen.“ Sie sah ihr Gegenüber mit ihren dunklen Augen an, er schien nicht beeinflusst von ihr zu sein und kurz huschte ein selbstzufriedener Ausdruck über ihr Gesicht.
„Ich bin Dahy, ich gehe auf die Moon Academy. Du musst aus Cadysa sein, aber ein Mensch bist du nicht.“, der letzte Satz war eine Feststellung.

Dahy war wohl eine liebenswürdige angenehme Gesellschaft, doch mit Taktgefühl, Zurückhaltung oder SmallTalk war es nicht weit her. Wenn etwas für sie offensichtlich war, sprach sie es einfach aus, egal ob sie damit jemanden nur in eheliche oder vielleicht sogar diplomatische Schwierigkeiten brachte. Als fehlte ihr dieser Sinn der von den Damen und Herren gehobener Schichten so sehr geschätzt wird.


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Julande Stahljohann
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Beruf : Chiropraktiker
Spieler : Lilie

BeitragThema: Re: Das Meer   Fr 1 Sep 2017 - 22:50

Julande ging automatisch auf denselben Sicherheitsabstand, den er immer zu jedem einhielt, der nicht gerade Patient bei ihm war. Dieses kleine... Elfchen, in Ermangelung besserer Worte, war weder Patientin bei ihm, noch war ihre Art ihm bekannt. Gut, sie war kleiner als er, daher wähnte er sich in der übergeordneten Position, zumal er die dürren Flügelchen sicher schnell verbrannt hätte... Aber der Dämonfeuer war misstrauisch, eher antisozial und auch, wenn Etzel das kleine Dingelchen wohl zu mögen schien, das brachte ihn noch lange nicht dazu, jemanden zu mögen.
Die Fee oder Elfe, oder was auch immer dieses Ding war, entschuldigte sich dann hastig und irgendwie fast automatisch dafür, dass der schwarzweiße Teju sie abgeschleckt hatte und auf Schmusekurs gegangen war. Julande zog die schlanken, hellen Augenbrauen in die Stirn, als sie meinte, er würde sie wohl immer mögen. "Ah ja...", brummte er darauf hin etwas grummelig, als hätte ihm gerade jemand das letzte Schnitzel weg gegessen. "Ist ja normalerweise nicht seine Art. Er ist nicht bissig, aber ein Hundewelpe nun auch nicht gerade..." Wie alle seiner Rasse war auch Julande besitzergreifend, eifersüchtig und mochte es nicht, wenn jemand meinte, ihm etwas absprechen zu wollen. Wobei die Kleine das wahrscheinlich nicht mal böse meinte.
Auf den letzten Satz zog er allerdings eine Augenbraue wieder hoch. "Okay, wow. Kleines, Dahy, du kannst nicht einfach... also..." Er pustete sich eine verschwitzte Haarsträhne aus dem Gesicht und einen Moment lang wurden seine Augen in einer teilweisen Wallung gelb. Ob sie das sehen konnte oder nicht, wusste er nicht. "Okay, okay" Ein lautes und tiefes Husten unterbrach seinen Redefluss und es dauerte einige Sekunden, bevor er wieder zu Atem kam. "Also gut, nein, ein Mensch bin ich nicht. Ich gehöre einer alten Rasse an, den Dämonfeuern. Dämon-Feuer, ja, nicht umgekehrt, bin nicht aus der Hölle oder so. Ich bin ein Drache. Und zwar ein echter!" Er warf sich etwas in die Brust, was bei seiner geringen Größe meistens eher lächerlich aussah. Da aber Dahy kleiner war als er... hoffte er einfach, dass er beeindruckend wirkte. "Ich gehöre einem alten, deutschen Stammlinie an, ich bin Julande Stahljohann" Irgendwie... wenn er schon jemanden fand, der kleiner war als er, dann konnte er auch richtig aufdrehen und beeindrucken. Also vollführte er eine offene und volle Woge, wallte also in seiner humanoiden Drachenform auf. Seine langen blond-pinken Haare blieben, aber der Rest erinnerte nur noch in seinen Grundformen an menschliche Züge. Seine Hände hatten große Klauen bekommen und in seinen Schuhen wurde es zugegeben eng, denn auch die hatten Klauen bekommen. Seine Nüstern blähten sich auf und in einem leisen Knurren fletschte er die spitzen Fleischfresserzähne. "Also, bist du eine dieser... Feen, von denen es ja hier so viele geben soll? Hab von solchen nur gelesen, alles Trickser und Traumtänzer. Steht Etzel deswegen so auf dich, weil euch alle Tiere gern haben?" Die Ausrede hätte er noch akzeptiert, aber er machte auch gut deutlich, dass mit ihm nicht so einfach Kirschen essen war. Seine Stimme war um ein vielfaches tiefer, rauchiger und kehliger geworden, als würde er aus einem Vulkan heraus reden.





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BeitragThema: Re: Das Meer   Sa 2 Sep 2017 - 20:10

Dahy war nervös. Richtig nervös. Das war ihre Chance ehrlichen Kontakt zu jemanden aufzubauen (an Freundschaft wagte sie gar nicht zu denken), der wirklich an ihr selbst interessiert war,.. wenn er es war.
Ihre Flügel zuckten leicht bei diesem Gedanken und sie spürte wie ihr Körper den Kairomon-lastigen Hormoncocktail auszuschütten begann. Diese Funktion der Cupidus –Elfen ist vergleichbar mit dem Schweißausbruch oder Adrenalinausstoß beim Menschen. Sie können ihn nicht manuell steuern, jedoch wird er durch Erregungszustände aller Art begünstigt.  Schon schnupperte das Reptil und machte Anstalten vom Arm seines Herrn zu ihr zu klettern. Er starrte sie versonnen an und fischte regelrecht nach den Duftmolekülen in der Luft. Ihr Duft war völlig unangebracht.
Nicht nur das Julande, mit diesem Namen hatte sich der junge Mann vorgestellt, nicht davon beeinflusst wurde, sondern er schien nicht wirklich begeistert zu sein von der unerklärlichen Liebe seines Haustieres zu ihr.  Wieso betonte er ein zweites und drittes Mal wie ungewöhnlich das war? Und die Betonung das die Echse kein süßer Hundewelpe war, schien Dahy völlig absurd. Wer sollte denn so etwas verwechseln? Außer vier Beinen und das sie beide auf Dahy’s Speiseplan standen wenn es darauf ankam, hatten sie nichts gemeinsam. Generell irritierte Julande Dahy. Sein viel zu freundschaftliches ‚Kleines’ gefolgt von einer ewigen und in ihren Augen sehr detaillierten Erklärung zu seiner Art um dann mit einem herablassenden Tonfall über Feen -wobei sie sich davon überhaupt nicht angesprochen fühlte- zu sprechen. Traumtänzer? Waren die nicht schon längst ausgestorben? Zu Tode gehetzt von den Aborigines? Dahy war sich nicht sicher. 
Doch seine Art erfüllte sie gleichzeitig mit Neid, der Drache schien keine Angst zu haben zu sagen was oder wer er war. Und seine geschichtliche Darlegung zusammen mit der körperlichen Demonstration gaben ihm recht. Ein Wesen wie er hatte wahrscheinlich wenig was ihm in die Quere kommen könnte. Julande stand praktisch am anderen des magischen Selbstverteidigungssprektrum als Dahy. ‚Was es umso besser macht ihn als Freund zu gewinnen’, zog ein pragmatischer Gedanke durch Dahy’s Kopf. 
Seine einzigen Schwächen schienen seine mittlere Körpergröße, die man jedoch auch als Vorteil sehen konnte, und sein Husten zu sein. Kurz wollte Dahy ihm schon ihre Algen-Meerschaumtinktur anbieten,- jedes Kind wusste das ein Tag am Meer die Bronchien reinigt-  doch sie ließ es bleiben weil es ihr zu plump erschien. Abgesehen davon das ein Drache namens Dämon-Feuer wahrscheinlich nicht viel für das Meer übrig hat. 
„Oh, ich wollte dir nicht zu nahe treten und fragen was du bist. Das du kein Mensch oder Tierwesen bist genügt mir.“, sie lächelte leicht und hoffte mit ihren Worten sein Gemüt wieder etwas zu beruhigen. „Stahljohann klingt nach einem alten, mächtigen Namen. Du scheinst sehr selbstsicher zu sein.“, den letzten Satz sprach sie voll Sehnsucht.
Sicherheit hatte Dahy nie gekannt. Da wo sie herkam stand ihre Art zwar streng unter Schutz, doch Wilderer und Sklavenhändler gab es überall, wenn ein guter Preis lockte. Wahrscheinlich war das unbewusst ein Grund für ihren Entschluss nach Cadysa zu gehen, die Hoffnung hinter den Mauern der Academy sicher zu sein. Doch obwohl man ihr hundertprozentigen Schutz versichert hatte, konnte sie ihre zwanghafte Vorsicht nicht so schnell ablegen.
Langsam hob sie die Arme und verschränkte sie unter der mageren Brust die sich unter dem nassen Shirt abzeichnete. Ihre schwarzen Augen die so unendlich tief zu sein schienen blickten mit einem klaren Blick, den man leicht als naiv fehldeuten könnte, zu Julande empor. „Ich bin keine Fee. Der Unterschied für den Laien ist der Grad an Humanität. Feen sind praktisch so etwas wie Menschen mit Flügeln.“ ,sie strich sich ein Strähne ihres Haares über die Schulter: „Etzel reagiert auf die Lockstoffe mit denen ich jage. Aber ich habe keinen Hunger ... und einen hohe Moral.“ Sobald sie es ausgesprochen hatte, bereute sie es. Das Gesagte in Kombination mit ihrem auffälligen Äußeren, - auch um seine menschliche Gestalt beneidete sie den Drachen – gaben genügend Hinweise auf ihre Art. Vorsichtig, und wie sie hoffte unauffällig, machte sie einen Schritt rückwärts und maß aus dem Augenwinkel die Entfernung zum Wasser. Ihr einziger Vorteil im Ernstfall war, dass der Drache ihre Schnelligkeit wahrscheinlich stark unterschätzte.
   
Doch ein Teil von ihr hoffte immer noch das er einfach noch nie von Cupidi gehört hatte und den Wert ihrer gemahlenen Knochen und Flügel auf dem Schwarzmarkt nicht kannte.


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Julande Stahljohann
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BeitragThema: Re: Das Meer   Mo 4 Sep 2017 - 18:24

Die kleine Fee hatte nicht den allerbesten Stand bei Julande gehabt, er war eben ein eifersüchtiger Mann. Und wenn sein sonst zwar geduldiger, aber nicht gerade fremdelnder Teju völlig unerwartet mit einer unbekannten Person am kuscheln war, konnte er schon mal ein bisschen den Macho raushängen lassen. Aber zwei Faktoren ließen ihn eher zu einem großen Gönner werden. Der erste: Dahy war deutlich kleiner und schmaler als er, selbst in menschlicher Gestalt. In Wallung hatte sie ihm so ziemlich nichts entgegen zu setzen, er war hier der Stärkere. Selbst ohne sein Feuer wäre er problemlos gegen sie angekommen. Der zweite: Sie lenkte ein, verhielt sich nicht dominant oder frech und lies ihm damit die Führung des Gesprächs. Er war der Boss, er war der Drache und auch, wenn er mit einem Schnauben warme Luft durch die geblähten Nüstern blies, sein schuppiges Gesicht bekam einen Ausdruck von Zufriedenheit und etwas hoheitlicher Gnade, während er sich Etzel um die Schultern legte. Die Eidechse schien sich überhaupt nicht an der Verwandlung ihres Herrchens zu stören, er züngelte nur aufgeregt in Dahys Richtung und fing an zu schmatzen. Julande dagegen hustete wieder leiste, es war hier am Meer nur wenig leichter für ihn zu atmen, aber die Seeluft machte es ungefährlicher, etwas Feuer zu spucken und so die Lungen zu reinigen.
Und als sie dann noch seinen - tatsächlich alten, starken und stolzen - Namen bewunderte, seine selbstsichere Art lobte, ließ ihm fast die Brust schwellen und ein selbstzufriedenes, kleines Lächeln kam über seine Lippen. "Ja, der Name meiner Familie ist mächtig. Wir sind ein altes Volk, wir sind Teil eines stolzen und sehr starken Geschlechts, wir sind die Wurzel der Sagen und Legenden über die Drachen. Einer meiner Vorfahren war der Drache, der das Rheingold gesammelt und bewacht hat!" Jedenfalls hatte das sein Onkel immer behauptet, der Bruder seiner Mutter war. Auch wenn Julande nur durch deinen Cousin Getoar wusste, dass er überhaupt noch am Leben war. Wenn auch wahrscheinlich nicht mehr für lange, wenn es so weiterging mit ihm... "Selbstsicherheit erarbeitet man sich, durch eine starke Hand und ein starkes Herz. Wir Dämonfeuer haben beides. Ritter und Soldaten haben versucht uns zu vernichten und sind gefallen. Wir sind die Drachen im Menschen und der Mensch im Drachen, wir sind das Feuer, wir sind...." Mitten in seiner Glorienrede über seine Art und damit sich selbst unterbrach ihn sein Husten wieder und er schnappte einige Augenblicke lang nach Luft. Die Pupillen in seinen gelben Augen wurden zu zwei dünnen Strichen, während er sich vornüberbeuge und würgend versuchte, nicht zu ersticken. Der verdammte Husten quälte ihn jetzt seit über 20 Jahren und es war ein Wunder, dass er noch nicht irgendwann mal erstickt war. Zum Arzt ging er allerdings nicht - wie sollte er einem Arzt die Mengen an Aceton in seiner Lunge erklären? Einen Dämonfeuerarzt hatte er bisher noch nicht getroffen, der seine Leiden hätte verstehen können. Und was sollte es auch? Er war eben ein potenter Feuerspucker, er hatte es mit zarten 18 geschafft, ein Haus in die Luft zu jagen. Mit einem einzigen, kräftigen Feuerstoß.
Nachdem er sich beruhigt hatte und wieder frei atmen konnte, tätschelte er Etzel, der leise grummelte und schnarrte, bevor er wieder stolze Haltung annahm. Er mochte einen Moment der Schwäche gehabt haben. Aber kein Dämonfeuer gab seine Schwäche zu oder ließ sich lange von ihr beeinflussen. "Soso, keine Fee...", murmelte er vor sich hin, während er sie aus den geschlitzten Pupillen fixierte. Als sie dann von Lockstoffen und Jagd erzählte, zog sich sein Nasenrücken kraus - aber sie würde Etzel ohnehin nichts antun können. Selbst wenn sie hungrig und unmoralisch gewesen wäre. Sie hatte schon längst eingesehen, dass sie sich mit Julande nicht messen konnte. Der setzte den zappelnden Etzel auch wieder im Sand ab, wo der Waran sich um seine Beine wand, aber den Kopf zu Dahy hinstreckte. "Solche wie dich gibt es da, wo ich herkomme, auch. Wir nennen sie Zahnfeen, miese kleine Viecher. Sind besonders scharf auf Knochen und Zähne, am liebsten von Menschen oder Wessen. Wessen, das sind solche wie ich. Es gibt viele von uns" Er geriet richtig in Plauderlaune, irgendwie hatte die Kleine was. Vielleicht war sie ganz sympathisch... Irgendwas an ihr brachte Jules dazu, sie nett zu finden und vor allem, vor ihr ein bisschen anzugeben. "Dämonfeuer sind nur eine von hunderten. Du hast vorhin zwischen Menschen und Tierwesen unterschieden - wir sind etwas dazwischen. Nicht ganz Mensch, aber nicht ganz das, was kein Mensch ist. Auch wenn ich meine Gattung mit den Drachen vergleiche, wir sind nicht ganz Drachen. Blutbaden sind nicht ganz Werwölfe, auch wenn viele Menschen sie so nennen würde. Und Hexenbiester und Zauberbiester sind keine Hexen und keine Zauberer. Und das ist nur eine kleine Auswahl. ich kenne selbst nur etwa 120 Arten von Wessen, die Dämonfeuer eingeschlossen. Wir sind... wie soll ich das erklären... Wir sind keiner Seite zugehörig, wir sind etwas ganz eigenes. Du bist auch keine Fee und trotzdem... Hm..." Er musste fast etwas grinsen. "Eine Dragonfly. Libelle, die hielt man zu Zeiten des Rheingoldes für Larven des Drachen. Vielleicht stammen wir von ein und derselben Art Mensch ab, wer weiß... Willst du sehen, was ich außer dem Aussehen noch mit den Drachen gemeinsam habe?" Es stimmte Julande ausgesprochen milde, dass sie ihm Raum gelassen und damit seine Stärke anerkannte und respektierte. Es schmeichelte ihm und wie jeder Drache liebte auch er die Schmeichelei und die Bewunderung. Er war eigentlich sehr einfach gestrickt und doch konnte er manchmal kompliziert werden. Wenn sie jetzt noch über sein Feuer staunte, dann hatte sie wohl einen Freund gefunden.





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Dahy

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BeitragThema: Re: Das Meer   Di 5 Sep 2017 - 15:54

Julande schien in seinem Element zu seine Haltung ging von bedrohlich-beeindruckend dazu über, nach Bewunderung zu heischen. Dahy lachte und ließ ihre knochigen Schultern fallen. Dieser Drache hatte keinen blassen Schimmer wer oder was sie war und noch viel besser; es interessierte ihn auch überhaupt nicht. Vielleicht hatte die Direktion der Academy doch recht gehabt als man sie beruhigt hatte und ihr vollkommene Sicherheit versprach. 
Ju’s Ausführungen, - Dahy hatte ihn in Gedanken schon umgetauft, auch wenn sie sich hüten würde, ihn wirklich so zu rufen,- zeichneten ein großes Bild, das sehr gut zu ihm passte. Dahy konnte den kühlen tiefen Rhein förmlich riechen, an dessen Ufer wohl so einige ihr Leben gelassen hatten um ihr Vieh zu rächen und ihr Gold zurück zu holen.
Alles was Dahy über europäische Mythologie und Drachen im allgemeinen wusste, hatte sie die letzten Jahre auf der Moon Academy gelernt. Viel war es nicht und das meiste so allgemein gehalten, dass sie in einem Fantasybuch für Menschenkinder hätte nachschlagen können. Die Gattung Dämonfeuer war im Unterricht vielleicht einmal ganz am Rande erwähnt worden, doch mehr als die Ansässigkeit der letzten noch lebenden Familien, wurde nicht erwähnt. Doch von der Eitelkeit und dem Stolz der Drachen wusste Dahy und fand sie in Ju zu Hundert Prozent bestätigt.
Doch damit war es schnell vorbei, als der nächste Hustenanfall Julande überkam. Kleine Rauchwolken stoben ihm aus Nase und Mund, als hätte er eine Zigarette verschluckt und Dahy machte vorsichtig einen Schritt zum Wasser. Sanft leckte die Brandung den Sand unter ihren Fersen fort. Ihre Flügel lagen flach an ihrem Rücken an und insgesamt nahm sie wohl eine Haltung halb Fürsorge halb Misstrauen ein. Ju’s Atem ging rasseln und es war offensichtlich, dass er schlecht Luft bekam. Wenn er ausatmete stank die Luft beißend. „Das hört sich nicht gesund an.“, bemerkte Dahy trocken. Ju konnte erzählen was er wollte, nach arttypischen Verhalten sah das nicht aus. Doch sobald er sich einigermaßen erholt hatte sprach er weiter als sei nichts gewesen. Dahy’s Kommentar überging er dabei geflissentlich. 
Dahy’s Unwille darüber zeigte sich nur in einem kurzen Hochziehen der Ohren. In ihrer Heimat hatte sie viele kranke Tiere gesehen; Husten, Hautekzeme, entzündete Bisswunden und viel Schlimmeres noch. Natürlich war ein Hund etwas komplett anderes als ein Drache und von Humanmedizin hatte Dahy so viel Ahnung wie von der Feinmechanik einer Uhr. (Uhren waren auch etwas, woran Dahy sich nicht gewöhnen wollte). Doch sie wusste wie unendlich groß die Schulbibliothek  war und mit wendigen Flügeln kam man überall hin, auch dahin, wo einen langweilige Bibliothekare nicht haben wollten.
Das Ju sie mit sich selbst verglich brachte Dahy zum lachen, so vollkommen falsch lag er. „Über die Europäischen Arten weiß ich nicht besonders viel, aber ich bezweifle es stark. Elfen sind keine Menschen, so wie Meerkatzen keine Katzen sind.“, sie zwinkerte ihm zu. „Alles kann man durch Aussehen täuschen, nenne es Mimikri. Die Sagen in meiner Heimat definieren uns als gestaltgewordene Natur. Wir sagen: ‚Du bist nichts ohne das Meer, aber du bist nicht das Meer.’“ Dahy dachte selbst über diesen Satz nach. Sie sah den Menschen vielleicht ähnlich, aber sie lebte ganz anders. Sie dachte ganz anders, wollte ganz andere Dinge und die Ziele und Träume der Menschen befremdeten sie. Ihre genetische Codierung war der einer Libelle, der des Meeres viel näher als der des Menschen. Die Natur kannte keine Gnade und war trotzdem so unverbesserlich schön wie nichts sonst. Dieser Gegensatz fand sich in Dahy’s Blick. Diversität und die Fülle der Individuen entstand nicht aus dem Gefallen den jemand daran fand, sondern aus den harten Bedingungen, die komplette Anpassung von allen Geschöpfen abverlangten. Nicht angepasstes überlebte nicht. So einfach. So hart. So effektiv.


„Ja zeig mir dein Feuer.“, sagte Dahy ruhig und ihre Augen spiegelten ihre Begeisterung wider. Bedächtig ging sie ein paar weitere Schritte ins Meer. Es mochte vielleicht Fünfzehn Grad kalt sein, aber Dahy fror nicht. Oder sie fror, aber es machte ihr nichts. „Kannst du damit auch meine Sachen trocknen?“, ihre Stimme hob sich um die Frage anzudeuten, doch noch während sie sprach streifte sie sich das Shirt bereits über den Kopf. Ihr Torso war schmal, von heller Haut überspannt und ohne Bauchnabel. Die langen schwarzen Haare fielen ihr über die Schulter. Der Anblick könnte wohl als erotisch verstanden werden, wenn man bei ihrem Körper an den eines Menschen denkt. Doch sollte man es sich eher vorstellen wie bei einem Pferd, das eine Decke auf dem Rücken trägt, oder nicht. Ein Tierkörper ohne Bekleidung birgt eine natürliche Eleganz die er mit, nie erreichen wird. Dahy kannte also, genau wie ein Tier, keine Scham vor Nacktheit. 

Das Shirt landete vor dem Drachen im Sand.


Unterwassergespräche führen ist wie Luftschlösser bauen. 
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Das Rauschen schluckt die Gespräche, zerreibt die Gedanken zwischen den Wellen und spült sie als Korallensand an Land. 

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Spieler : Lilie

BeitragThema: Re: Das Meer   Di 5 Sep 2017 - 22:05

Jules schnaubte wieder, als sie begann zu lachen. Hatte er einen Witz verpasst? Okay, er war mit Englisch nicht aufgewachsen, aber er wohnte nun schon seit geraumer Zeit hier. Seinen deutschen Akzent wollte er auch nicht loswerden, aber die Sprache beherrschte er schon ausgezeichnet gut. Und ihm war nicht bewusst, dass er einen Witz gemacht hatte, also blieb nur, dass sie ihn auslachte. Andererseits... ach, das kleine Ding, irgendwie konnte sie doch gar nicht gehässig sein. Sie erklärte ihm dann, dass Elfen keine Menschen wären - hatte sie nicht vor 5 Minuten noch gesagt, dass sie keine Elfe war? Ihre Erklärung klang dann aber doch sehr nach Elfe... "Wir sind selbst keine Menschen" Er zuckte mit den Schultern und zog sich dann seine Schuhe aus, indem er aus ihnen rausschlüpfte. Seine Füße und vor allem die Klauen brauchten Platz und sofort gruben die kräftigen, dunkelgrünen Krallen sich in den Sand ein. Der Wind war weniger geworden und die Luft roch um Jules herum beißend nach Aceton. "Wir sind, was wir sind, du und ich gleichermaßen. Beide so natürlich wie die Eiche und beide geboren um zu überleben. Dann bist du wohl eher so etwas wie unsere Nymphen. Und falls du es wissen willst, viele Wessen gibt es nur in Amerika oder nur in Asien, auch wenn sie durch die Globalisierung bis zu uns schwappen. In meiner Heimat werden jetzt schon Aswang gesehen... Was ich sagen will, Wessen und viele andere Anderwesen haben dieselben Vorfahren. Unsere Legenden sagen, wir entstanden aus einem Menschen, der nicht verbrannte, als man ihn zum Opfer der Götter verbrennen wollte. Er atmete das Feuer einfach ein und wurde so zum ersten Dämonfeuer. Jedes Wessen hat seine eigenen Legenden, aber die Wissenschaft sagt eher, dass wir uns ganz natürlich entwickelt haben. Dafür braucht es nun mal eine Basis und das waren die Menschen, oder was auch immer ihre Vorfahren waren..." Er schüttelte den Kopf und weitete die Nüstern wieder, um die salzige Seeluft einzuatmen. Sie tat gut... auch ein Wesen des Feuers wusste Wind und Wasser zu schätzen... "Wie auch immer. Evolution lässt sich nicht leugnen und wenn sie sich bei deiner Gattung für eine humanoide Gestalt entschieden hat, wird das einen Grund haben" Auch wenn man es nicht glaubte und Julande ein sehr rationaler Mann war, er glaubte an so etwas wie Schicksal. Das lag in seiner Natur und er nahm es einfach mit. Auch wenn es ihm sehr oft Probleme beim Einschlafen brachte...
Dahy sah dann mit einem Blick zu ihm auf, der ihn unwillkürlich grinsen ließ. Ja, das Feuer eines Dämonfeuer war beeindruckend und konnte selbst mit dem großer Drachen mithalten. Einige walisische, alte Exemplare hatten schon feststellen müssen, dass sich der 'Zwergdrache' durchaus mit ihnen vergleichen konnte. Dass die Elfe - oder wie auch immer sie sich nannte - das sehen wollte, war doch eigentlich klar gewesen. Er wollte gerade noch sagen, dass sein Feuer sicher nicht zum Trocknen eignete - da stand sie schon oben ohne vor ihm. Und er konnte im ersten Augenblick nichts anderes als zu Glotzen. Nicht, dass er nicht schon mal eine nackte Frau gesehen hatte, er war ja nun auch keine Jungfrau mehr. Aber... das Mädel zog sich einfach aus. Julande schüttelte knurrend den Kopf, als er zu seinem Anstand zurückfand und drehte sich dann sogar um. "Also... man sollte mit meinem Feuer keine Klamotten trocken. Mein Feuer ist heiß genug, um Stahl und Eisen zu schmelzen und Knochen zu Staub zerfallen zu lassen. Und äh... du solltest dich anziehen, echt. Keine Ahnung wie das in deinem Volk gehandhabt wird, aber hier zieht man sich nicht einfach die Kleidung vom Leib! Ich meine, mir bist du sowieso zu jung. Fuck" Er fuhr sich nervös durch die Haare, egal was er sagte es klang falsch. Was hatte sie vorhin gesagt? Sie ahmte die Menschen nur nach. Sie war keiner. Sie war also auch nicht mit menschlichen Standards aufgewachsen. Also... Julande drehte sich zumindest halb zu ihr, dass er mit der Seite zu ihr stand und aufs Meer hinaussah. So hatte er den Wind im Rücken. "Mach das einfach nicht vor anderen, okay? Die Menschen verstehen sowas nicht und die meisten Anderwesen auch nicht" Er hustete wieder aber dieses Mal sehr kontrolliert. Er brachte die entzündliche Säure absichtlich durch gezieltes Husten nach Oben und draußen, bevor er noch einmal tief Luft holte und in einem Stoß, der jedem Flammenwerfer Ehre gemacht hätte, eine gelbe und orangefarbene Feuersbrunst aufs Meer hinaus spuckt. Er nickte nach dem einige Sekunden andauernden Schauspiel anerkennend, das war sogar für seine Verhältnisse gut. "Du solltest dich besser wieder anziehen...", murmelte er dann aber noch und vermied es sie anzusehen. Auch wenn es für sie kein großes Ding war, es kam ihm... unschicklich vor.





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Dahy

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BeitragThema: Re: Das Meer   Mi 6 Sep 2017 - 18:57

Dahy stand bis zur Hüfte im Wasser und die Brandung wiegte sie und zupfte an ihrem Haar.  Ihre Ohren zuckten bei Julandes Worten und sie nickte an gegebener Stelle verständig. Die Legende über den ersten Dämonenfeuer gefiel ihr, auch wenn sie einer menschlichen Sage sehr ähnelte für Dahys Begriffe. Vielleicht war es mehr die Sprache und Wörter als der Inhalt. Ob der Drache eine eigene Sprache hatte? Seine Körperhaltung verriet jedenfalls viel über seinen Gefühlszustand. Die Schuhe hatte er ausgezogen und grub seine Klauen in den feuchten Sand, er schien sich wohl zu fühlen. Oder er fühlte sich wohl bis zu dem Moment in dem Dahy in das riesiges Fettnäpfchen trat. Kaum hatte sie ihre Frage gestellt, hatte sie das wage aber sehr starke Gefühl irgendetwas komplett falsch gemacht zu haben. Und Ju’s Reaktion auf ihren Anblick bestätigten es.
Eine Sekunde lang starrte der Drache sie an und drehte sich dann ruckartig um. Dahy starrte ihm kurz auf den Hinterkopf und ließ dann ihren Blick an ihrem Körper hinunter wandern. Die blasse, leicht bläuliche Haut die ihr in menschlichen Augen immer ein kränkliches Aussehen gab und die feinen Härchen an ihren Seiten, die Türkis schimmerten und für einen lautlosen Flug sorgten. Kurz fiel ihr Blick auf ihre Finger, lang und dünn wie Insektenbeine.
Nein, sie war wirklich kein Mensch und der Versuch sich anzupassen würde sie umbringen. Die Welt der Menschen hatte ein Schönheitsideal das sie nie erreichen würde. Aber der Drache hatte sich umgedreht.
Dahy versuchte noch dieses soziale Dilemma, das sie ausgelöst hatte, zu ergründen, als Ju schon anfing sich zu erklären. Er faselte etwas von Sitte und Anstand und wie es wohl zuging ‚dort’ wo sie herkam. Als wär sie eine Wilde mit Dreck im Gesicht. Kurz wollte sie diesen eingebildeten Drachen einfach stehen lassen, mit seinem Anstand und seiner Selbstdarstellung. Es ärgerte sie, dass es so offensichtlich war, dass sie hier nicht zuhause war, dass sie alle Regeln und Gepflogenheiten erst vor ein paar Jahren gelernt hatte. Aber was sollte Ju da machen? Wahrscheinlich genau das was er eh gerade tat; sich abwenden und sie bitten sich wieder anzuziehen.
Dahy seufzte und ließ sind ganz ins Wasser hinab. „Du kannst dich wieder umdrehen.“, klang ihre klägliche Stimme zum Strand herüber. „Ich sehe lieber von hier aus zu.“ Sie war bis zur Nasenspitze im eisigen Wasser verschwunden, ihr Haar trieb wie Seetang um ihren Kopf.
„Spukst du regelmäßig Feuer?“, fragte Dahy. Ihr Ärger war bereits wieder verflogen. Zurückgeblieben war eine flaue Wut über sich selbst. Wie hatte sie nur so rücksichtslos sein können? Dieser Tag war einfach kein guter. Manche Tage sind einfach so. Zuerst die schlechten Noten und dann die missglückte Flucht in ihre eigene Wirklichkeit. Ju kennenzulernen war zwar phantastisch, aber Dahy hätte sich einen besseren Ort dafür vorstellen können. Das Meer brachte immer eine tiefe Wehmut mit sich und gleichzeitig hatte Dahy das Gefühl nur hier, in der salzigen Luft, wirklich sie selbst zu sein. Wahrscheinlich war es dieses Gefühl, dass sie alle gelernte Etikette vergessen ließ. Aber ganz sie selbst zu sein hieß anscheinend auch, nicht hier her zu gehören. Nicht mal an diesen Strand, wie sie heute festgestellt hatte. ‚Nachts ist es stockfinster und bestimmt niemand hier.’, überlegte Dahy und allein bei dem Gedanken daran im Dunkeln über das Wasser zu fliegen und hinabzutauchen in die ölige Tiefe zitterten ihre Ohren vor Erregung. Möglicherweise war es auch der aufkommende Hunger, der sie ein bisschen vergessen lies, sich zu benehmen.

Der Drache drehte sich halb herum und bat sie nochmals darum, ihr Shirt wieder anzuziehen. Dahy grinste: „Ich bin ja nicht exhibitionistisch veranlagt. Die Dinge funktionieren hier einfach nur alle so anders. So anders, dass mir manchmal der Kopf schwirrt und ich überhaupt keine Lust mehr habe mich anzupassen.“ Ihr Gesichtsausdruck war halb trotzig halb traurig. „Manchmal möchte ich einfach zu Hause und nur ich sein und keine Angst haben. Es gibt Tage da fällt mir das Verstecken besonders schwer. Sie dir doch diese Wellen an und den Wind!“, fast sang sie die Worte so sehr fühlte sie es. 
Eine riesige Stichflamme zuckte links über Dahy hinweg als Julande seine erste Flamme zeigte. Kurz blieb Dahy die Luft weg, so schnell und heiß war das Feuer. ‚Mein Shirt wäre jedenfalls Asche gewesen’. Doch statt ihre Klamotten noch einmal zu erwähnen klatschte sie, dass das Wasser spritzte: „Ziemlich cool! Zeigst du mir noch eine,... wenn es dein Husten zu lässt?“, fragte sie und ihr Tonfall klang so wissend und bestimmt das er keine Ausflüche gelten ließ. Ju musste keinesfalls mit ihr über seine Atemnot reden, aber sich selbst aus übermäßigem Stolz zu gefährden wäre dumm.  „Sag wenn du fertig bist, dann komme ich raus und ich verspreche dir ich bin so schnell, dass du nichts erkennen können wirst, also entspann dich!“, Dahy lachte.
   
‚Mit Ju hat man jedenfalls Spaß!’, dachte sie und drehte eine Pirouette im Wasser.


Unterwassergespräche führen ist wie Luftschlösser bauen. 
Gut das wir die Fische nicht hören, viel zu laut wäre das Meer. 
Das Rauschen schluckt die Gespräche, zerreibt die Gedanken zwischen den Wellen und spült sie als Korallensand an Land. 

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Julande Stahljohann
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BeitragThema: Re: Das Meer   Do 7 Sep 2017 - 10:49

Dahy und er waren sich eigentlich gar nicht so unähnlich. Was wäre wohl mit Jules passiert, wenn seine Mutter ihn nicht zu ihrem Bruder gegeben hätte, sondern er vielleicht bei einer der wildlebenden Familien groß geworden wäre? Es gab noch zwei andere große Stammfamilien in Deutschland und einige kleine. Eine der großen Familien, die Hittzelichs, lebte in den Alpen, weitab von den großen Zivilisationen. Sie lebten von der Jagd und primitivem Ackerbau und stahlen Männer und Frauen von den Menschen, um sich ohne Blutschande fortpflanzen zu können - wobei Julande recht gut wusste, das die Chance, mit einem Menschen ein Wessen zu zeugen, irgendwo zwischen 25 und 50 Prozent lag. Aber was wäre wohl passiert, wenn er bei den Hittzelichs aufgewachsen wäre? Vielleicht wäre er selbst so ursprünglich wie Dahy... sie war einfach nicht vertraut mit dem, was man Sitte und Anstand in dieser modernen Zeit nannte. Aber sie versuchte, sich anzupassen, tauchte in dem kalten Salzwasser fast unter. War das nicht zu kalt? Julande würde einen Kälteschock kriegen, wenn er nur den großen Zeh ins Meer getaucht hätte.
Da unterschieden sie sich doch. Sie waren beides trotz ihrer menschenähnlichen Gestalt keine Menschen und würden es nie sein. Sie waren beide eine alte Rasse und vielleicht zwei Seiten einer Medaille. Er war ein Wesen des Feuers, er war die Personifikation dessen, was geschah, wenn Erde und Feuer sich vereinigten. Sie war mit ihrem zarten kleinen Feenkörper, der wohl mehr nur an einen Menschen erinnerte als wirklich menschlich zu sein, ein Kind des Windes und des Wassers, eine Nymphe der See. Julande legte den Kopf etwas schief nach seiner Feuersbrunst und sah sich die kleine begeisterte Elfe an, wie ihre Haare da wie Tang im Wasser schwammen. Irgendwie weckte das fast seinen etwas kümmerlichen Beschützerinstinkt. Die Kleine wusste kaum, wie es hier zuging...
"Ziemlich oft, ja", erwiderte er langsam auf ihre Frage. Etzel hatte sich von dem Feuer nicht beeindrucken lassen, er schnappte gerade nach einem Einsiedlerkrebs, der hastig durch den Sand watschelte. Als er das kleine Tier nicht erwischt hatte, ging er dazu über, sich in die mittlerweile gänzlich heraus gekommene Sonne auf eine Sanddüne zu legen und zu brummeln. Um den Teju brauchte sich Julande eigentlich nie Sorgen machen, der blieb fast immer bei ihm. "Es ist... notwendig, regelmäßig Feuer zu spucken. Viele von uns sind mit der modernen Zeit Schmiede geworden oder Feuerkünstler, damit sie ihr Feuer rauslassen können. Wie ist es bei dir? Musst du regelmäßig schwimmen?" Das sie fliegen musste, war per se schon klar. Wer Flügel hat, muss fliegen, das war eine alte Logik, so wie der Hund bellen und ein Maulwurf graben musste.
Er musste unwillkürlich schmunzeln, als sie von den Wellen und dem Wind erzählte. Sie war ein fröhliches Kind, ein Kind der Natur. Was machte sie nur hier? "Komm erstmal aus dem Wasser raus, du holst dir doch den Tod!" Er war ja trotz allem noch ein Arzt, er konnte sich nicht vorstellen, dass das dünne Ding so kälteresistent war. Sie unterlag genauso den Gesetzen der Physik wie alles andere. "Schon okay, ich hab's verstanden. Die Gesellschaft und ihre Moralvorstellungen sind schon abstrakt und ziemlich dämlich. Verstecken laugt auf die Dauer aus, deshalb haben sich einige Wessen auch von den Menschen zurückgezogen. Du bist nun mal kein Mensch... warum bist du überhaupt hier, hm?" Bevor er noch mal spuckte, war er neugierig geworden, was sie in die Zivilisation getrieben hatte, wenn sie sich offensichtlich unwohl fühlte.





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Dahy

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BeitragThema: Re: Das Meer   Do 7 Sep 2017 - 21:34

Der stürmische Morgen war nur noch eine blasse Erinnerung. Die Sonne wärmte den Sand und der Wind hatte sich auch gelegt. Etzel genoss ein Sonnenbad in der Nähe seines Herrn. Immer noch war der Strand wie ausgestorben und Dahy fragte sich ob hier im Sommer alles voller Handtücher und Sandburgen sein würde. Wahrscheinlich nicht. Das Meer an dieser Küste galt als gefährlich und heimtückisch.  Schiffe gingen immer wieder mit Mann und Maus unter und Schwimmer kamen nicht zurück. Man redete von unvorhersehbaren Strömungen und Tiefenwinden, Nebelbänken und Untiefen.  Aber für Dahy war es das Meer, so wie überall sonst. Es trug einen anderen Namen und hatte eine andere Temperatur, aber sein Atem war der gleiche.  
Am Strand stand der Drache und sah hinaus aufs Meer und zu Dahy.  Das Ju regelmäßig Feuer spuken musste war nur logisch. Dahy mochte seine Drachenseite jetzt schon mehr als die menschliche. Sie mochte seine Klauen und sein Husten, ja sogar die Feuerspukerei, obwohl sie wusste wie gefährlich sie ihr werden konnte.  „Ich mag dich ohne Schuhe.“, sagte sie und meinte wohl damit das alles zusammen. „Aber Schmied bist du nicht.“, sagte sie und schob der Höflichkeit halber ein „Oder?“ hinterher.
„Als Imago bin ich nicht mehr auf das Meer angewiesen. Aber als Teil von ihm fesselt es mich ähnlich wie die Lachmöwen und Albatrosse. Ich könnte ohne es leben, aber ich wäre nicht glücklich.“
Der Drache lächelte und fragte ob ihr nicht schon kalt sei. ‚Kälte’, Dahy hatte gar nicht darüber nachgedacht. Die Saragossasee war immer gleichtemperiert bei 28°C  und als Libellenart hatte sie kein typisches Schmerzempfinden. Ihr Körper kompensierte viel, ähnlich wie bei Vögeln. Da wunderte sich auch niemand wie sie es schafften mit ihren Watschelfüßen auf blankem Eis zu stehen. Dahy war nicht die wehrhafteste Daseinsform aber das hieß nicht, dass sie nichts aushielt. Am Ende war sie ein Raubtier wie der Drache auch, sie füllte nur eine andere, kleinere Nische aus.
Noch einmal wiederholte Ju seine Aufforderung und Dahy antwortete mit einem: „Ja!“
Sie tauchte unter und stieß sich mit den Füßen vom Grund ab um ihre Flügel aus dem Wasser zu heben. Die Nässe schien ihren Flugkünsten nichts auszumachen, denn kaum bewegten sich die vier transparenten Flügel schoss Dahy empor unter einem Gischtregen. Sie schraubte sich mit mittlerer Geschwindigkeit drei, vier Kreise nach oben und glitt dann im Sturzflug hinab, mit ihren langen Fingern ergriff sie ihr Tshirt und flog dann im Rücken des Drachens über die Sanddünen außer Sicht. Die ganze Sequenz hatte vielleicht eine Minute gedauert.
 
Ruhig landete Dahy auf einem Grashorst und schlüpfte in ihr Shirt. Es war noch feucht und voller Sand, ihre Shorts tropften. Aussehen war Dahy gleich, also klopfte sie sich nur grob ab und stapfte dann zurück zu Ju.
„Ich bin hier um zu studieren und weil ich weg musste. Unsere Art, sie verschwinden alle irgendwann. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viel ich wert bin.“, sie lachte, aber es steckte tiefe Trauer darin.
Kurz schwieg Dahy, dann wechselte sie abrupt das Thema.
   
„Also, du kannst keine Sachen trocknen und bist kein Schmied, was machst du sonst, wenn du nicht gerade junge Mädchen vor deinem liebestollen Teju rettest?“, sie grinste Etzel an der ihr schon wieder über den Knöchel züngelte.


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Julande Stahljohann
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BeitragThema: Re: Das Meer   Fr 8 Sep 2017 - 11:40

Manchmal musste Jules sich fragen, wer er eigentlich wirklich war. Ein schwäbischer Chiropraktiker, klein, schlank, mit pinken Strähnen in den Haaren, oder der Drache, der gerade die Krallen in den Sand grub und der gerade mehr Infrarot sah als wirklich wie ein Mensch. Gut, das Licht war ausreichend genug, aber alle Farben waren entsättigt und auch so würde er sich im Ernstfall jetzt eher auf seine Infrarotsicht als auf die gewöhnliche verlassen würde. Aber was war er mehr? Dahy schien das ganz genau zu wissen, sprach von Imago... Sie durchlief Larvenstadien? Sie war wirklich nicht menschlich und sie hatte nur den Konflikt, dass sie gerne in die Gesellschaft passen würde, sie aber einfach nicht verstand. So, wie sie das Meer liebte, so sehr verwirrte sie das Leben in der Stadt und der Zivilisation.
Das Schauspiel, dass sie ihm dann bot, als er sie schon erneut auffordern wollte, das Wasser zu verlassen, war atemberaubend. Sie mochte noch so oft behaupten, dass sie keine Fee war, das hatte etwas magisches und sogar der grummelige und eigentlich absolut rationale und hartgesottene Dämonfeuer hatte einen seltenen Ausdruck auf seinem Gesicht. Er staunte. Sah ihr mit großen Augen nach und konnte aber gar nicht so schnell gucken, wie sie schon hinter den Dünen verschwunden war, um sich umzuziehen. Dahy gab sich Mühe, sich anzupassen. Letztlich genau wie er... Wie alle seiner Art und Rasse. Naja, fast alle.
"Doch, ich kann mir das sehr gut vorstellen", meinte er dann auf ihre Aussage, dass er sich nicht vorstellen könne, wie wertvoll sie wäre. "Bei uns ist das ähnlich. Es gibt Wessen, die gibt es häufig, es ist wie in der Natur. Wir Dämonfeuer sind im mittleren Segment, aber... es gibt auch bei uns Wessen, die gejagt werden. Manche sind Lebend mehr wert aber... genug von uns hat man auch getötet, um an Ressourcen oder Trophäen zu kommen" Geistesabwesend legt er ihr die Hand auf den Kopf und versank einen Augenblick in seinen Gedanken. Bis er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sein Teju wieder mal auf Kuschelkurs ging und auch schon seine lange Zunge nach ihr ausstreckte. Unwillkürlich zuckte er zusammen und nahm erstmal hastig die Hand von ihrem Kopf. "Uhm..." Es dauerte einen Moment, bevor er die Situation erfasst hatte. Dann musste er lachen, heiser und tief, bevor ihn wieder der Husten einholte. "Nein, ich bin kein Schmied geworden. Hatte nicht die... körperlichen Voraussetzungen dazu. Ich bin Chiropraktiker" Er warf sich fast stolz in die Brust, bis ihm klar wurde, dass Dahy wahrscheinlich gar nicht wusste, was ein Chiropraktiker war. "Das ist... ein Arzt, wenn man so will. Wenn jemand Schmerzen hat und nicht mehr richtig gehen kann oder sich einfach nicht mehr bewegen kann, werden ihm meistens Nerven abgeklemmt. Dann sitzt ein Knochen schief oder die Gelenke funktionieren nicht richtig. Und der Chiropraktiker renkt das wieder ein, er schiebt die Knochen zurück an die richtige Stelle. Ich habe noch einige Weiterbildungen gehabt, was Anderwesen wie dich und mich angeht. Ich kann ein Wesen wie dich nicht wie einen Menschen behandeln, das ist klar. Und du studierst also hier? Was lernst du gerade?" Die Kleine war seltsam, aber... irgendwie mochte er sie, ein kleines bisschen. Sie bewunderte ihn schließlich, ihn und sein Feuer. Das schmeichelte ihm und machte ihn sanfter.





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BeitragThema: Re: Das Meer   So 10 Sep 2017 - 14:44

Etzel schien auf ihren Zehen weggedöst zu sein, aber Julande machte es inzwischen nichts mehr aus, oder er ließ es sich nicht anmerken. Gegen Naturgesetze konnte selbst ein Dämonfeuer nichts ausrichten. Hormonelle Lockstoffe, mehr nicht. Dahy maß der Zärtlichkeit des Reptils auch keine andere Bedeutung bei. Sie war es gewohnt umflattert und bezirzt zu werden. Allerdings fand sie es ganz praktisch, Etzel zeigte durch sein Verhalten ihren Grad an Hunger viel eher an, als ihr eigenes Hungergefühl einsetzte. Ihr Bad hatte einige Kalorien verbraucht und Dahy’s Hormonspiegel schien gestiegen zu sein. Heute Nachmittag sollte sie also etwas Zeit zum jagen einplanen.
„Stimmt es das Drachenblut die Menschen unverwundbar macht?“, fragte Dahy Ju. Oft war ein Körnchen Wahrheit enthalten in den Sagen, aber oft war es auch ausgemachter Blödsinn. Wer dachte das der Bezoar (Magenstein von zB. Einer Kuh oder einem Schaf) wirklich vor Vergiftungen schützte, der war einfach abergläubisch. 
Dahy stand schräg vor dem Drachen, ihr Individualabstand war, ihrer Körpergröße angepasst, relativ gering. Während er sprach legte Ju mit einer ruhigen Bewegung seine Hand auf Dahy’s Kopf. Sie spürte das Gewicht der Drachenpranke und halb ließ es sie Sicherheit fühlen, halb beunruhigte es sie. Julande war alles andere als das was man einen stattlichen Mann nannte, aber der Drache der in seinem Körper schlummerte, war Dahy immer präsent. Mit Ju’s Hand auf ihrem kalten, feuchten Haar und Etzel zu ihren Füßen dachte sie an ihren Hunger. Gerne hätte sie Julandes Verhalten als natürlich-freundschaftlich gedeutet, aber er schien von ihren Hormonen doch stärker beeinflusst zu sein, als sie beide erwartet hatten. Dahy konnte sich einfach nicht vorstellen, das der Drache nach nur einem Vormittag schon so vertraut mit ihr umgehen würde. Denn generell kam er Dahy eher zurückhaltend als forsch vor, da machte sich wohl die Altdeutsche Erziehung bemerkbar.
Als er seine Hand sinken ließ wich Dahy wie zufällig ein Stücken nach hinten aus. Etzel zischte leise und trollte sich dann aber zu Ju. ‚Genau, bleib du schön bei deinem Futterspender, wir möchten ja nicht gleich das nächste Eifersuchtsdrama beschwören.’, ermutigte Dahy das Tier in Gedanken. Sie versuchte sich wieder zu entspannen und Julande’s Worten zu folgen. Er war Arzt für Menschen und Anderswesen, aber wieso kümmerte er sich nicht um seinen eigenen Husten? Am Liebsten hätte Dahy gefragt, aber selbst sie hatte inzwischen gemerkt, wie vehement der Drache seine Atemnot verschwieg. Als würde er sie selbst nicht bemerken, obwohl er mit einer Regelmäßigkeit hustete, die nichts Gutes versprach.
„Ich habe mit Veterinärmedizin begonnen weil ich in dem Küstenland Puerto Rico, in einem Tierheim ausgeholfen habe. Dafür bin ich ja wie geschaffen.“, kurz lachte sie.

 „Aber inzwischen hat sich mein medizinisches Interesse auf die Anderswesen ausgeweitet. Mein Zweitfach ist Diplomatie, dafür fehlt mir allerdings jegliche Begabung.“ Dahy verzog ihren Mund zu einem schiefen Grinsen und zuckte mit ihren knochigen Schultern. „Man wächst mit seinen Aufgaben. Und diesen Supf aus nonverbalen Regeln werde ich genauso meistern wie die Mangrovensümpfe Floridas.“


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Julande Stahljohann
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BeitragThema: Re: Das Meer   Mi 13 Sep 2017 - 8:58

Arttypisch war Julande kein wirklich freundlicher Geselle. Seine Dominanz stand ihm oft im Weg und brachte gerade in modernen Zeiten viele Probleme mit sich. In einem Krankenhaus war er als Chiropraktiker und Physiobegleiter schon abgelehnt worden, weil er 'zu unfreundlich' zu den Patienten gewesen wäre. Lustig nur, dass seine Praxis lief wie ein schnurrender Ferrari auf einer deutschen Autobahn. Obwohl er seine Patienten anfauchte und auch schon Kopfnüsse an die Stammkundschaft verteilt hatte. Die Leute wussten eine vernünftige Handarbeit eben zu schätzen! Und dass Jules eben nicht viele Freunde hatte, störte ihn nicht weiter, er war lieber für sich. Ein Drache in seiner Höhle. Nach Maßstäben seiner Rasse war er außerdem noch sehr jung, er hatte es nicht eilig, sich ein Weibchen zu suchen. Oder einen männlichen Partner, da war er nicht wählerisch. Er hatte Etzel, der ihm Gesellschaft leistete. Dahy war eigentlich eher der Typ Person, mit der er nicht mehr als zwei Worte wechselte. Aber seine ungewöhnliche Freundlichkeit könnte sich über die Hormone erklären, auf die Etzel allerdings mehr reagierte. Vielleicht, weil er eben trotz aller Intelligenz noch ein Tier war. Julande war etwas anderes...
"Ach, die Story!" Er winkte etwas genervt ab. "Das wäre mir neu. Aber es ist ein Grund, warum Drachen und Dämonfeuer gejagt und getötet wurden. Diese bekloppte Sage" Er schüttelte den Kopf, hustete wieder und schnaubte ungehalten. "Wer auch immer das erfunden hat, war an einem regelrechten Genozid beteiligt! Viele gute Familien wurden ausgedünnt und ausgelöscht, weil ach so tapfere Ritter im Drachenblut baden wollten! Drachen sind ja auch nicht unverwundbar - man kriegt sie wegen dem Schuppenpanzer nur schwer klein" Sogar Julande, obwohl seine Schuppen mehr ein Lederpanzer waren als eine Rüstung, war schwer zu besiegen, wenn er in Wallung war. Selbst mit Messern musste man mehrfach gegen ihn vorgehen, bevor man die Schuppen durchdrang. Faustschläge steckte er dann gut weg. Nur blöd, dass er es als Schande ansah, gegen einen Menschen in Wallung anzutreten...
Er war ungewollt auf Tuchfühlung gegangen... für ihn eigentlich ungewöhnlich, aber das Thema war recht emotional für den traditionsliebenden Julande. Da konnte es schon mal durchgehen... "Du willst Ärztin werden? Gut, schön, schön. Ein schwieriges Thema, besonders wenn Diplomatie mit ins Spiel kommt. Es gibt tausende Regeln, deren Verletzung einen Krieg auslösen könnte... Aber was man wirklich will, schafft man auch. Wenn man dran bleibt, natürlich. Ich kenne mich in der Medizin aus, alsooooo..." Er stutzte. Wollte er ihr gerade seine Hilfe anbieten? Was für ein verrückter Tag... was für ein verrücktes Mädchen. "Wenn... man irgendwie helfen kann oder... du ein Praktikum brauchst, lass dich in meiner Praxis blicken. Bin in der Innenstadt, kaum zu übersehen" Er sah bierernst aufs Meer hinaus, als wäre das für ihn keine große Sache. Hilfsbereit war er eigentlich fast gar nicht... vielleicht brachten diese Pheromone ihn durcheinander. Er grub wieder die Krallen in den Sand und hustete. "Florida also, huh? War da mal im Urlaub, schön warm da. In die Sümpfe bin ich nicht rein, das Revier ist belegt und mit den Bewohnern leg ich mich nicht unnötig an... Dass sie dich verschont haben, ist schon eine Leistung. Die kleine Fee ist tough, huh?" Er grinste etwas von der Seite, forderte sie verbal etwas heraus.





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